Prüfungsangst – Mein Körper schaltete auf Alarmstufe Rot
Prüfungen waren für mich als Jugendlicher und junger Mann machbar. Sie waren nicht unbedingt angenehm, aber ich konnte mich ihnen stellen und sie bestehen.
Viele Jahre später änderte sich das plötzlich.
Ich machte eine Ausbildung zum ärztlich geprüften Gesundheitsberater. Dafür war eine Prüfungswoche vorgesehen. Bereits in der ersten Nacht konnte ich kaum schlafen. Mein Herz schlug viel zu schnell, ich war unruhig und nervös. Obwohl ich todmüde und erschöpft war, fand ich kaum Schlaf.
Diese Schlaflosigkeit zog sich durch die gesamte Woche.
Es standen eine schriftliche und eine mündliche Prüfung an.
Was für meinen Verstand nicht fassbar war: Von dieser Prüfung hing weder meine Existenz noch mein Beruf ab. Ich machte die Ausbildung als persönliche Weiterbildung.
Mein Körper reagierte jedoch, als ginge es um Leben und Tod.
Alarmstufe Rot!!!
Ich versuchte, mich zu beruhigen.
„Ich kann die Prüfung wiederholen.“
„Ich muss gar nicht bestehen.“
„Es hängt nichts davon ab.“
Doch mein Körper ließ sich davon nicht überzeugen.
Am Tag der Prüfung bekam ich von einem Arzt ein Beruhigungsmittel. Dadurch konnte ich die Prüfung meistern.
Doch das eigentliche Thema blieb bestehen.
Später begann ich eine Ausbildung zum Heilpraktiker in Dresden.
Schon am Abend vor jedem Unterricht konnte ich kaum schlafen. Übermüdet fuhr ich zur Schule.
Dabei machte mir die Ausbildung große Freude. Der Stoff interessierte mich und ich war wirklich gut dabei.
Nur mein Körper schien Schule, Prüfungen und Bewertungen um jeden Preis vermeiden zu wollen.
Nach etwa eineinhalb Jahren stand eine Zwischenprüfung an – als Vorbereitung auf die amtsärztliche Prüfung.
Ich war nassgeschwitzt, innerlich angespannt und fühlte mich ausgeliefert, so als würde ich die Kontrolle verlieren. Im Stressmodus fiel es mir schwer, mich auf den Prüfungsstoff zu konzentrieren.
Irgendwann musste ich eine Entscheidung treffen.
Familie, meine Firma, die Ausbildung und die Angst waren zu viel geworden.
Ich brach die Ausbildung ab.
Ich war enttäuscht, wütend und wusste nicht, was ich machen sollte.
Auch einige Sitzungen Psychotherapie brachten für mich damals nicht die Veränderung, nach der ich gesucht hatte.
Erst auf meinem späteren Weg, als ich den Entschluss fasste, selbst Therapeut und Coach zu werden, begann ich zu verstehen, was hinter meiner Prüfungsangst steckte.
Ich begegnete Erlebnissen aus meiner frühen Kindheit, die tief im Unterbewusstsein gespeichert waren.
Ich konnte Situationen, Gefühle und Körperempfindungen von damals noch einmal wahrnehmen, ihnen Raum geben und diese Erlebnisse neu verarbeiten, die mich als Kind überfordert hatten.
Dadurch veränderte sich auch mein Erleben im Hier und Jetzt. Die Prüfungsangst verlor Stück für Stück ihre Macht.
Heute kann ich mich Prüfungen stellen, neue Ausbildungen besuchen und frei vor Menschen sprechen.
Rückblickend glaube ich, dass Prüfungsangst nicht das eigentliche Problem ist.
Sie ist ein Signal dafür, dass eine ähnliche Situation früher so schmerzhaft und überfordernd gewesen sein muss, dass eine heute ähnliche Situation um jeden Preis vermieden werden soll.
Die Prüfungsangst ist der Schutzanteil in uns, der sagt: „So dürfen wir uns nie wieder fühlen.“ Und er kämpft mit allen Mitteln dagegen an, um das Befürchtete zu vermeiden.
Kennst du das?
Vielleicht reagiert dein Körper in Prüfungen, Vorträgen oder anderen Bewertungssituationen ähnlich. Dann bist du damit nicht allein.
Wenn dich dieses Thema berührt, findest du im dazugehörigen Video weitere Gedanken und meine persönlichen Erfahrungen.
Schreib mir gern deine Erfahrungen per E-Mail an: hallo@marcoguenther.com
Herzliche Grüße
Marco Günther

